Quantencomputing in Deutschland: Chancen, Herausforderungen und die Notwendigkeit politischer Unterstützung

Als Oliver Blume sagte, “dann wird uns das eben halt in einen dermaßen wirtschaftlichen Nachteil reinschlittern lassen,” merkte ich sofort, das war kein rhetorisches Stoßgebet, das war Wut mit einem konkreten Plan. Und genau diese Wut hat ihn von Neugier zu Handeln gebracht, nicht aus Sentimentalität, sondern weil er begriffen hat, was auf dem Spiel steht.

Ich höre oft, Quantencomputing sei was für Laborkittelträger und Theoretiker, praktisch irrelevant für den Rest von uns. Das ist falsch. Oliver hat auf einem Zukunftskongress das Schlaglicht auf etwas geworfen, das wir in Deutschland verpasst haben, obwohl hier einst die Grundlagen der Quantenphysik gelegt wurden. Er gab zu, er “hatte keinerlei Ahnung” am Anfang, aber eine Frage von ausländischen Gästen blieb: Warum führen die Deutschen hier nicht? Aus dieser Irritation wurde Einsatz, er lockte einen deutschstämmigen Quantenphysiker zurück, investierte früh, half bei der Gründung einer GmbH in Deutschland, und als Berlin zwei Milliarden zugesagt hat, hat er politisch nachgelegt. Das Ergebnis, ein großer Auftrag vom Bund, kommt nicht aus Zufall.

Warum uns das entgleitet, kurz und schmerzhaft

Oliver fasst es brutal zusammen, “die sehen uns alle nur noch als Konsumenten.” Übersetzt heißt das, wir kaufen Knowhow, wir kaufen Maschinen, wir kaufen Rechenzeit, wir bauen selten noch die Kerne selbst. Das hat Konsequenzen:

  • Talente gehen weg, Forschung wird in anderen Ländern kommerzialisiert.
  • Politik denkt in Legislaturperioden, nicht in Dekaden, ein fataler Zeitrahmen für Grundlagenforschung.
  • Universitäten bilden Wissenschaftler aus, sie sind exzellent darin, aber nicht darauf gepolt, Startups herauszubringen, die global skalieren.

Oliver nennt das Problem beim Namen, “Politiker müssen eine langfristige Perspektive haben.” Warum? Weil Quantenhardware, Fertigung, Ökosystemaufbau, alles Zeit und stetige Förderung braucht. Ein Foto mit einer Ministerin ersetzt keine Infrastruktur.

Was konkret passieren muss

Oliver ist kein Theoretiker, er ist Praktiker, deshalb bleiben seine Forderungen pragmatisch. Er spricht nicht von Magie, sondern von Maßnahmen, die sofort Sinn ergeben:

  • Politische Priorität über Jahrzehnte, nicht nur über Wahlzyklen.
  • Infrastrukturaufbau, Labor- und Fertigungskapazitäten, damit IP hier bleibt.
  • Universitätsanreize für Ausgründungen, damit Forschung in Unternehmen mündet.
  • Ausbildung von Ingenieuren und Quantenspezialisten, gekoppelt mit Entrepreneurship.
  • Fokus auf Anwendungen, Cyber Security und Materialforschung, damit wirtschaftlicher Nutzen schnell sichtbar wird.

Das liest sich wie eine Checkliste, aber genau so muss es sein, weil Quantencomputing kein Nebenfach ist, sondern ein strategisches Asset. Oliver erinnert daran, dass Staaten mit klarer Strategie und Kapitalvorrat, etwa China oder die USA, bereits investieren, während wir zusehen und hoffen, extern einkaufen zu können. Kurzfristig bequem, langfristig abhängig.

Souveränität ist keine abstrakte Forderung

Ein besonders pragmatischer Punkt ist die Abhängigkeit von ausländischer Rechenleistung. Oliver warnt vor einem simplen Tauschgeschäft, wir mieten Rechenzeit, im Gegenzug bleibt Kernkompetenz außen vor. Das ist bei Kryptographie nicht akademisch, das ist Sicherheitsarchitektur. Wer die Rechenmacht kontrolliert, beeinflusst kritische Infrastruktur, Geheimhaltung und Verteidigung. Oliver sagt nicht das Schreckgespenst herbei, er analysiert die Realität, und die lautet, wer baut, hat Macht. Wir sollten nicht die sein, die nur bezahlen.

Kultur und Psychologie, unterschätzte Baustellen

Neben Geld und Infrastruktur gibt es ein weiches, aber mächtiges Problem, Kultur. Oliver bringt das auf den Punkt, wir feiern hier “Hidden Champions” die sich verstecken, während andere Länder ihre Gründer zu Helden stilisieren. Ecosysteme entstehen nicht nur durch Geld, sie entstehen durch Anerkennung, Risikotoleranz, das Feiern von Experimenten statt die Schelte für Misserfolge. Wenn Professoren in Tel Aviv dadurch gelten, dass sie 25 Startups gestartet haben, dann ist das ein Kontext, der hier fehlt. Wir sitzen dagegen lieber in Forschungseinrichtungen, schreiben exzellente Papers, und wundern uns, warum aus den Laboren nicht mehr Firmen kommen.

Was ich daraus mitnehme

Oliver sagt mit Nachdruck, “wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.” Man kann das dramatisch lesen, oder man kann anfangen, zu handeln. Ich sehe hier keinen Grund für Pessimismus, sondern für klares, strukturiertes Engagement. Wir haben Talent, wir haben Bildung, wir haben Industrie. Was fehlt, ist die Verbindung zwischen all dem, verstetigte Politik, gezieltes Kapital, und die Mentalität, dass Aufbauarbeit heldenhaft ist, auch wenn sie keine schnellen Schlagzeilen bringt.

Wenn wir weiterhin glauben, Technologie sei etwas, das man einfach mietet, dann verlieren wir Einfluss. Wenn wir stattdessen anfangen, strategisch zu investieren, Forscher zurückzuholen, Fabriken zu bauen, und Lehrstühle mit Kommerzialisierungs-Anreizen auszustatten, dann ist das kein utopischer Plan, das ist Politikarbeit, auf die wir jetzt angewiesen sind.

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