Langfristige Technologieförderung: Warum Deutschland seinen Innovationsmotor neu starten muss und wie man das schafft.

Ich sitze noch oft mit dem Gefühl da, dass Deutschland eigentlich alles hat, was es braucht, um wieder technologisch vorne mitzumischen, und trotzdem zu häufig nur zuschaut, wie andere Länder die Zukunft bauen. Der Punkt ist nicht, dass wir keine klugen Köpfe haben. Der Punkt ist, dass wir unser Ökosystem nicht so ernsthaft und langfristig fördern, wie es nötig wäre. Das Gespräch mit Oliver Blume hat das noch einmal klar gemacht, und ja, ich ärgere mich ein bisschen darüber, dass das so offensichtlich ist.

Warum langfristige Technologieförderung kein Luxus ist, sondern Überlebensstrategie

Oliver bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, “Wenn wir in Deutschland so eine Technologie nicht haben, dann wird uns das eben halt in einen dermaßen wirtschaftlichen Nachteil reinschlittern lassen.” Das ist keine Übertreibung, das ist nüchterne Bestandsaufnahme. Technologien wie Quantencomputing sind keine Spielzeuge, sie sind Infrastruktur, sie sind strategische Ressourcen. Länder, die jetzt investieren, schaffen sich Wettbewerbsvorteile für Jahrzehnte. Und ja, das kostet Geld, aber das ist gut angelegtes Geld, nicht Fördergeld, das Jahrzehnte später in Abhängigkeit aufgeht.

Kurzfristige politische Kalküle kollidieren mit dem Charakter von Grundlagenforschung. Forschung braucht Geduld, Infrastruktur, und die Bereitschaft, auch risikoreiche Pfade zu fördern, ohne sofortigen Ergebnisdruck. Wenn eine Regierung nur nach Wahlen plant, dann verliert das Land die Zeit, in der Durchbrüche entstehen.

Woran es in Deutschland hängt

Es sind mehrere Baustellen, die zusammenspielen. Da ist die Abwanderung von Talenten, oft in Richtung USA oder China, weil dort nicht nur geforscht wird, sondern die Ergebnisse auch systematisch kommerzialisiert werden. Dann sind da die Universitäten, deren Strukturen nicht immer Spinouts oder unternehmerische Exzellenz fördern. Und oben drauf, die politische Kurzfristigkeit, die Mittel verschiebt, je nachdem, was gerade Wahlkampf bringt.

Oliver beschreibt es so, “Wir haben das Geld dafür und es muss eben halt dann da investiert werden.” Das trifft es. Es fehlt weniger an Kapital insgesamt, als an politischem Willen, Kapital über Jahre hinweg gezielt und konsistent zu verteilen. Außerdem, und das ist ein kleineres aber wichtiges Detail, nennen wir unsere erfolgreichen Mittelständler Hidden Champions, als ob Stolz peinlich wäre. In anderen Ländern werden solche Firmen gefeiert, und das macht einen Unterschied für die Kultur des Ausgründens.

Wie man den Innovationsmotor neu startet, praktisch und direkt

Es gibt keine magische Abkürzung, aber es gibt konkrete Schritte, die zusammen eine Wirkung entfalten.

  • Langfristige Programme einrichten, mit Finanzierungszeiträumen, die über Legislaturperioden hinausgehen, damit Forschung nicht bei Regierungswechseln amputiert wird.
  • Universitäten als Startup Nährboden aufstellen, nicht als reine Publikationsmaschinen. Das heißt, Gründungsbüros auf Augenhöhe mit Forschungseinheiten, Anreize für Professorinnen und Professoren, sich an Ausgründungen zu beteiligen, und klare IP Regelungen.
  • Skalierungsförderung, nicht nur Seed Geld. Viele Länder können Ideen gut anschieben, wenige schaffen den Sprung zur Serie Produktion und globaler Vermarktung.
  • Öffentliche Beschaffung als Hebel nutzen, damit nationale Firmen erste Referenzen bekommen und nicht sofort dem Ausland ausgeliefert sind.
  • Rückkehrprogramme für Talente, die ein klares Angebot machen, Forschungskarriere mit unternehmerischer Perspektive zu verbinden.

Das sind keine Raketenwissenschaften, nur unbequeme Politik und etwas Ausdauer.

Warum Kultur wichtiger ist als ein einzelnes Programm

Technologie entsteht nicht nur in Laboren, Technologie entsteht in Netzwerken, in offenen Diskussionen, in der Bereitschaft, Regeln zu hinterfragen und Gewohntes infrage zu stellen. Oliver spricht viel von freiem Denken und davon, dass disruptive Ideen oft aus anderen Branchen kommen. Das ist kein Zufall. Wer nur innerhalb einer Nische denkt, wird die Muster der Zukunft nicht erkennen. Wir brauchen wieder eine Kultur, die neugierig, crossdisziplinär und etwas unverschämt ist.

Wenn Politik und Wirtschaft nur auf kurzfristige Sicherheit setzen, bleibt die Gesellschaft konservativ in einem funktionalen Sinn. Wenn wir aber bereit sind, auch mal Regeln zu hinterfragen, werden bessere Lösungen entstehen. Oliver sagt, man müsse “mit einem starken Optimismus rangehen” und akzeptieren, dass Veränderungen kurzfristig unbequem sind, langfristig aber Mehrwert bringen.

Was ich konkret von Unternehmern und Entscheidungsträgern erwarte

Wenn du Unternehmer bist, fang an, sonst wird dir irgendwann jemand erklären, wie er es besser gemacht hätte. Zwei Stufen auf einmal nehmen ist manchmal die beste Taktik, sagt Oliver, weil du sonst in endloser Analyse stecken bleibst. Wenn du Politiker bist, denk länger als eine Legislatur, sonst fehlt der Boden unter jeder ernsthaften Technologiepolitik.

Und wenn du Forschung machst, behalte die Welt draußen im Blick. Forschung ohne Kontext wird schön, bleibt aber nutzlos, wenn niemand sie in Produkte oder Strategien übersetzt.

Wir können das schaffen. Wir haben das Know how, wir haben die Mittel, und ja, wir haben auch die demokratische Kultur, die technologische Entwicklung verantwortungsvoll nutzen würde. Jetzt fehlt nur noch eins, politischer Mut und kollektives Durchhaltevermögen. Ich bleibe optimistisch, und ein bisschen wütend, weil es möglich ist, jetzt. Wenn wir anfangen, langfristig zu denken, wird sich der Rest finden.

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